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13.07.2012

Herlazhofen plant eine eigene Energiegenossenschaft

Von Marita Gaile, SZ Leutkirch, 13.07.2012

Zu einer Informationsveranstaltung über die Versorgung mit Nahwärme hat am vergangenen Mittwoch das Energiebündnis Leutkirch in das Feuerwehrhaus nach Herlazhofen eingeladen. Unter den rund 90 Interessierten waren auch die beiden Biogasbetreiber Reinhold Gaile und Christoph Müller (Wärmelieferanten) sowie Ortsvorsteher Alois Peter. Thomas Hartmann, Experte für Nahwärme, und Florian Weh, Projektleiter, beide bei renergie Allgäu, bearbeiten das Thema Nahwärmenetz Herlazhofen bereits seit Januar und stellten den Interessierten ein schlüssiges Konzept vor. 

Als Nahwärme wird die Übertragung von Wärme zwischen Gebäuden zu Heizzwecken umschrieben, wenn sie im Vergleich zur Fernwärme nur über verhältnismäßig kurze Strecken erfolgt. Die Versorgung mit Nahwärme erfolgt über Nahwärmenetze (NWN), deren typische Leistungen zwischen 50 Kilowatt und einigen Megawatt liegen. Zudem kann die Wärme bei relativ niedrigen Temperaturen übertragen werden und mehrere Gebäude, einzelne Wohn- oder Gewerbegebiete oder eine Gemeinde bedienen.

Unabhängig von Kostensteigerungen 

NWN werden von der Politik gefördert, da sie eine Möglichkeit bieten, dezentral erzeugte Wärmeenergie zum Nutzer zu transportieren. Unter bestimmten Voraussetzungen sind in Deutschland Investitionszuschüsse durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle möglich, wenn die Erzeugung der Wärmeenergie in Kraft-Wärme-Kopplung erfolgt, oder es können öffentliche Förderungen über die KfW-Mittelstandsbank in Anspruch genommen werden, wenn die Wärme mit erneuerbaren Energien erzeugt wird. Für die angeschlossenen Haushalte bedeutet das NWN unter anderem Heißwasser per Leitung direkt ins Haus des Nutzers. Übertragen wird diese mittels Wärmeaustauscher in den eigenen Heizungs- und Warmwasserkreislauf. Die verbrauchte Wärmeenergie wird vom hauseigenen Wärmezähler registriert und die Nutzer wären unabhängig von voraussichtlich massiven Kostensteigerungen konventioneller Energieträger fossiler Brennstoffe wie Öl, Gas oder Kohle. „Zudem verbleibt das ausgegebene Geld der Nutzer zum größten Teil in der Region“, so Hartmann.

Florian Weh stellte anschließend Zahlen und Investitionskosten zum Projekt NWN Herlazhofen vor. „Mit den bisher gemeldeten 62 Interessenten ist fast die ganze Ortschaft erschlossen“, so Weh. Um das Projekt jedoch wirtschaftlich weiter zu optimieren, brauche es mindestens 90 Anschlüsse. So könnte die Wärmebelegungsdichte auf mehr als 500 Kilowattstunden/ma (pro Meter und Jahr) angehoben werden und der Wärmepreis würde von 9,4 Cent auf 7,4 Cent (netto) sinken. 

Der Investitionsplan ergab abschließend Gesamtkosten für das Projekt in Höhe von fast einer Million Euro. Als Fazit verzeichnete Weh, dass bei 25 bis 30 weiteren Anschlüssen eine optimale Förderung erreichbar wäre und Herlazhofen eine komfortable, sichere und ökologische Wärmeversorgung erreichen könnte. 

Berthold König, Geschäftsführer Energiebündnis Leutkirch, fasste die Vorträge der beiden Referenten zusammen: „Wir haben eine große Chance aufgezeigt bekommen, sozusagen ein Geschenk für Herlazhofen. Das Geld soll aber im Dorf bleiben, darum soll es ein Projekt mit Bürgerbeteiligung werden.“ Vorrangiges Ziel sei nun, die Gründung einer Betriebsgesellschaft „Energiegenossenschaft Herlazhofen“, wobei der Fokus erst einmal auf die Überzeugungsarbeit gerichtet wird. 

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